Krisenmanagement 08. May 2026 · 6 Min. Lesezeit

Wenn der Ernstfall eintritt: Was Unternehmen in den ersten 24 Stunden einer Krise tun müssen

Die ersten Stunden einer Krise entscheiden über Schadensbegrenzung oder Desaster. Ein strukturierter Leitfaden für die kritische Phase — bevor der Krisenstab richtig in Fahrt kommt.

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Johannes Göllner
Gastautor

Die goldene Stunde des Krisenmanagements

Krisen folgen einem Muster: In den ersten Stunden ist Chaos, Verwirrung und Informationsmangel der Normalzustand. Wer in dieser Phase keine klare Führung übernimmt, riskiert, dass sich die Situation unkontrolliert ausbreitet — nach innen wie nach außen. Gutes Krisenmanagement beginnt deshalb nicht im Krisenfall selbst, sondern lange davor mit der Frage: Was tun wir, wenn es so weit ist?

Schritt 1: Lagebeurteilung vor Aktionismus

Der häufigste Fehler in den ersten Stunden ist vorschnelles Handeln ohne gesicherte Informationsbasis. Bevor Maßnahmen ergriffen werden, braucht es eine erste Lagebeurteilung: Was ist tatsächlich passiert? Wie groß ist der Schaden? Wer ist betroffen? Welche Systeme, Standorte oder Personen sind involviert? Diese Grundfragen sollten innerhalb der ersten 30 Minuten beantwortet oder zumindest eingegrenzt werden.

Schritt 2: Krisenstab aktivieren

Parallel zur Lagebeurteilung sollte der vordefinierte Krisenstab einberufen werden. Wer ist der Krisenstabsleiter? Wer übernimmt Kommunikation, Logistik, IT, Recht? Diese Rollen müssen vor dem Ernstfall festgelegt und geübt sein — eine Krise ist kein geeigneter Zeitpunkt für Organigramm-Diskussionen. Kurze, strukturierte Lagemeldungen und Protokolle halten alle Beteiligten informiert und reduzieren Doppelarbeit.

Schritt 3: Kommunikation — schweigen ist keine Strategie

Internes Schweigen wird als Unsicherheit gedeutet, externes Schweigen als Schuldbewusstsein. Selbst eine kurze Erstmeldung — „Wir sind uns der Situation bewusst und arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung" — ist besser als gar keine Kommunikation. Definieren Sie, wer nach außen spricht (eine Person), und halten Sie alle anderen davon ab, Stellung zu nehmen.

Schritt 4: Dokumentieren von Anfang an

Was wurde wann von wem entschieden? Welche Maßnahmen wurden ergriffen? Wer wurde informiert? Eine lückenlose Dokumentation ab dem ersten Moment ist nicht nur für die interne Aufarbeitung wichtig, sondern oft auch rechtlich relevant. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Schritt — und bereuen es später.

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